Bundestagsdebatte über Tests für Trisomie 13, 18 oder 21

| Autor: Juliane Diener

Geht es hier nur um die Kostenübernahme?

Oberflächlich geht es ums Geld, genauer um 200-500 Euro. So groß ist der Betrag, den der "Nicht invasive Pränatal-Test" - kurz NIPT kostet, je nach Anbieter. Und den werdende Eltern momentan selbst zahlen müssen. Über die Kostenübernahme dieses Tests von den gesetzlichen Krankenkassen wird heute im Bundestag debattiert.
Unter der Oberfläche geht es jedoch um viel mehr: Wie geht unsere Gesellschaft mit dem Thema Behinderung um? Denn dieser Bluttest kann mit großer Wahrscheinlichkeit Klarheit darüber geben, ob das Kind im Leib der Mutter Trisomie 13, 18 oder 21 hat. Bislang können Ärzte diese Diagnose mittels einer Fruchtwasseruntersuchung und Ultraschall erkennen. Doch diese Untersuchungen erhöhen das Risiko eine Fehlgeburt um 0,5 bis 1 Prozent. Deshalb haben Frauenärzte gefordert, dass der NIPT zur Kassenleistung wird.
Doch eines steht fest: Wenn die Kosten übernommen werden, werden mehr Eltern diesen Test durchführen lassen. Und dann? Was machen dann Eltern, die vor einem solch unauflöslichen Konflikt stehen?
Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung sprechen sich entschieden für das Lebensrecht aller Menschen sowie für eine verbesserte Verzahnung von ärztlicher und unabhängiger psychosozialer Beratung aus. Ein solcher Bluttest wäre ein Schlag ins Gesicht.
Unabhängig von der Kostenübernahme stellen sich viele Fragen: Wollen wir wirklich alle Methoden nutzen, die möglich sind? Was ist mit dem Recht auf Nicht-Wissen? Wie viel Freiheit bekommt der Einzelne in diesen Entscheidungen? Soll die Möglichkeit sich zu infomrieren von den finanziellen Mitteln abhängen? Wie können wir der Mutter und dem Ungeborenen am besten helfen ohne zu selektieren?
Einig sind sich zumindest die meisten, dass die Beratungsangebote und Hilfen ausgebaut werden sollten. Denn sich bewusst für das Leben mit einem Kind mit Behinderung zu entscheiden, würde vielen sicher leichter fallen, wenn es mehr Unterstützung gäbe. Und das nicht nur in der Schwangerschaft.
Eines steht auf jeden Fall fest: Jedes Leben ist kostbar. Gesellschaftlichen Bestrebungen der Selektierung ist entschieden entgegenzutreten. Es braucht mehr intensive Debatten über die ethischen und politischen Folgen solcher Entwicklungen. Viele mehr. Nicht nur im Bundestag.

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