Alicia

Seit August 2016 macht Alicia im Berufsbildungswerk (BBW) in Kassel eine Ausbildung als Fachpraktikerin für Holzverarbeitung mit dem Ziel Tischlerin zu werden. Vorher war sie auf der Karl-Preising-Schule in Bad Arolsen. Sie ist 19 Jahre alt, gerade dabei den Führerschein zu machen und in die erste eigene Wohnung zu ziehen.

Red.: Alicia, Sie sind jetzt ein Jahr in der Ausbildung. Wie gefällt es Ihnen?

Alicia: Die Ausbildung macht mir viel Spaß, vor allem, da wir hier alles Schritt für Schritt lernen können und nicht unter einem so großen Druck stehen, wie in einem Betrieb draußen. Außerdem ist unser Ausbilder immer so gelassen und kann wirklich gut erklären.

Red.: Und wie sind Sie auf das BBW aufmerksam geworden?

Alicia: Ich war auf der Karl-Preising-Schule wegen meiner Lernschwäche und Sprachbehinderung. Die Schule gehört zum gleichen Unternehmen wie das BBW. Mein damaliger Lehrer hat an mich geglaubt, dass ich den Hauptschulabschluss schaffe. Das hat mir sehr geholfen es wirklich zu schaffen mit einer Durchschnittsnote von 2,5. Darauf bin ich sehr stolz. Danach war ich mir aber nicht sicher, wie ich mich entscheiden soll.

Red.: Und was hat bei der Entscheidungsfindung geholfen?

Alicia: Viele Lehrer und ein Berater von der Arbeitsagentur rieten mir zu etwas Handwerklichem. Davon war ich eigentlich nicht so überzeugt. Aber ich konnte an einer berufsvorbereitenden Maßnahme im BBW für elf Monate teilnehmen. Nachdem ich die Bereiche Holzwerkstatt, Küche und Büro kennengelernt hatte, habe ich mich am Ende tatsächlich für Holz entschieden, da ich Holz toll finde. Man kann  alles selbst daraus bauen.

Red.: Wie unterscheidet sich eine Ausbildung im BBW von einer Ausbildung in einem normalen Betrieb?

Alicia: Zum einen gibt es hier die Möglichkeit, nicht gleich auf den Berufsabschluss Tischler hinzuarbeiten, sondern erstmal den Fachpraktiker zu machen. Das dauert drei Jahre. Dafür habe ich mich entschieden, damit ich alles in meinem Tempo lernen kann. Danach möchte ich aufsteigen, noch ein Jahr dranhängen und Tischlerin werden. Am liebsten würde ich aber schon Lerninhalte des zusätzlichen Jahres früher lernen.

Red.: Und welche Unterschiede gibt es noch?

Alicia: In einem normalen Betrieb hat man sicher wesentlich mehr Stress. Aufträge für Kunden müssen zu bestimmten Terminen fertig sein. Hier im BBW herrscht nicht so ein starker Leistungsdruck. Wir arbeiten zwar auch an reellen Aufträgen, aber trotzdem hat unser Ausbilder nicht den Druck wie in der freien Wirtschaft. Außerdem können wir mehr individuelle Pausen machen, wenn wir es brauchen. 

Red.: Können Sie auch die Aufgaben in der Ausbildung mitgestalten?

Alicia: Wir können mitbestimmen. Wenn man den Wunsch hat, eine bestimmte Technik oder Fähigkeit zu verbessern, kann man sich in dem Bereich fördern lassen. Ich bin zum Beispiel gerne im Maschinenraum. Auch wenn ich nicht immer gleich alles verstehe, bin ich gerne dort. Eigentlich gerade deshalb, denn nur so kann ich mich verbessern. Seit April habe ich einen Maschinenschein. Dies gehört zur Ausbildung und wir werden  individuell darauf vorbereitet. 

Red.: Und die Berufsschule ist auch hier im gleichen Haus?

Alicia: Stimmt, das ist toll. Da sie direkt bei uns im gleichen Gebäude ist, sparen wir Zeit. Ansonsten ist es wie in jeder Schule. 

Red: Und wie ist der Kontakt zu anderen Auszubildenden? 

Alicia: Ich verstehe mich gut mit meinen Kollegen und es herrscht ein guter Zusammenhalt. Innerhalb der Ausbildung arbeiten wir viel in Teams an Projekten. Gerade jetzt haben wir den Auftrag,  eine Hütte für einen Kindergarten zu bauen. Wir erklären uns auch gegenseitig viel. Ich glaube, dass es hier untereinander ein großes Verständnis dafür gibt, wenn jemand nicht alles gleich alles versteht.

Red.: Was würden Sie anderen Jugendlichen raten, die überlegen, was sie nach der Schule machen?

Alicia: Auf jeden Fall eine gute Ausbildung. Ich finde es sehr wichtig, eine Ausbildung zu machen, um später eine sichere Arbeit zu finden. In jeder Ausbildung gibt es mal Schwierigkeiten. Ich kann hier immer jemand fragen, wenn ich ein Problem habe. Das mag für den einen oder anderen, der von einer Förderschule kommt, wichtig sein. So ist der Unterschied von Schule und Ausbildung nicht allzu krass.

Red.: Wo sehen Sie sich in fünf bis zehn Jahren?

Alicia: Ich möchte ein Haus haben mit einem großem Garten. Vielleicht einen Hof mit zwei, drei oder vier Kindern. Am liebsten möchte ich dort eine eigene Tischlerei haben und auch Auszubildende, denen ich etwas beibringen kann. Und ich möchte glücklich mit meiner Familie sein. Das wäre schon ein Traum!

Red.: Dann wünschen wir Ihnen alles Gute für die Zukunft!