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Wer is(s)t schon gerne normal?

Inklusive Gedanken für krummes Gemüse zu Erntedank

In unseren Kreisen wird in diesen Tagen vielerorts Erntedank gefeiert. Zum Zeichen, dass wir Gott für die Schöpfung danken und zeigen, dass wir uns unserer Abhängigkeit bewusst sind.

Wundervoll leuchtende Erntegaben werden in appetitlich aussehenden Arrangements drapiert. Gelbe Maiskolben, große Kürbisse und süße Früchte. Ein Anblick, bei dem einen das Herz aufgehen kann. Ein guter Moment um innezuhalten und sich zu fragen: Was bedeuten uns unsere Lebensmittel? Wie können wir respektvoll mit ihnen umgehen? Und ist Erntedank nicht auch ein guter Tag, um den Bauern und Gärtnern für die harte Arbeit auf Feld und im Beet zu danken?

In der Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt herrscht Perfektionismus. Hier gibt es hohe Anforderungen. Nur wer Modellmaßstab vorweisen kann, kommt überhaupt ins Geschäft. Warum ist das so? Und was ist mit dem Rest? Jahr für Jahr werden in Deutschland fünf Millionen Tonnen Obst und Gemüse aussortiert anstatt auf dem Teller zu landen. Die Gründe liegen auf der Hand: einfachere Verpackungsmöglichkeiten für den Handel, EU Normen, aber vor allem auch die Wünsche der Verbraucher. Wer greift zur dreibeinig seltsam anmutenden Karotte, wenn daneben der perfekt aussehende Bruder liegt? Aber genau das sollten wir. Denn so wirken wir der Verschwendung entgegen. So wertschätzen wir die Arbeit, die nötig für die Erzeugnisse ist. Gerade Biobauern haben hier einen Nachteil. Denn bei ihren Produktionen ohne Gen- und Düngemittel sind die Ergebnisse der Produktion vielfältig. Und darum geht es doch: Vielfalt. Und für eine krumme Gurke ist genauso viel Arbeit nötig wie für eine normale.

Auch an unserer Karl-Preising-Schule besprechen wir mit den Kindern der Grundstufe das Thema Erntedank. Es wird in Projekten gearbeitet, gesungen und gemeinsam Kartoffeln gegessen. Auch hier sind die unförmigen Karotten und Kürbisse mit von der Partie. Es ist wichtig, dass wir unsere Kinder und Jugend für das Thema sensibilisieren, in ihnen die Lust an regionalem Gemüse wecken. Kinder und Gemüse, das ist natürlich ein Thema für sich.

Abschließend sei gesagt, dass es viele abstrakte Schlagworte gibt: Klimawandel entgegenwirken, Nachhaltigkeit berücksichtigen, auf Regionalität setzen. Hier ist etwas bei dem jeder was tun kann. Wie heißt es doch: Man ist, was man isst. Vitamine hat die krumme Bio-Möhre allemal.