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Von verbotenen Büchern und wilden Tieren

Die documenta. Jetzt ist sie vorbei, aber wir waren noch kurz vor Schluss zu Besuch.

Es war ein besonderer Ausflug, den der Einrichtungsbeirat des Heilpädagogischen Wohnens letzte Woche machte. Mit einer ausgewählten Führung für uns in Leichter Sprache.

Zusammen mit unserer documenta-Führerin bestaunten wir das "Parthenon der Bücher" auf dem Friedrichsplatz: Ein Nachbau eines griechischen Tempels in Athen, den die Künstlerin Marta Minujín aus Argentinien hier aufstellen ließ und dann mit Büchern gestaltete. Und zwar mit Büchern, die irgendwann in einem Land verboten waren, weil die jeweilige Regierung etwas gegen sie hatte. Auch Harry Potter und die Bibel hingen dort. Bücher, die wirklich nicht verboten gehören!

Im Eingang der dcocumenta-Halle standen zahlreiche Masken des kanadischen Künstlers Beau Dick von seinem indianischen Volk. Sie werden für eine Aufführung einmal im Jahr genutzt, in der ein Gott, nachdem er in eine tiefe Grube gefallen ist, von zahlreichen Tieren Hilfe bekommt. Er lernt, sich in diese Tiere zu verwandeln und kann so deren Welt besser verstehen.

Zeit für eine Pause auf einer großen Holztreppe. Aber auf der documenta gibt es nicht nur normale Treppen! Die Treppe, auf der wir saßen, war von der amerikanische Künstlerin Anna Halprin gebaut. Eigentlich eine Tanzbühne, aber auch gut zum Ausruhen geeignet. Ein Glück! So bequem kann moderne Kunst sein.

Dann entdeckten wir einige Bürotische, die übereinander getürmt und mit einem langen Tesa-Streifen verbunden waren. Was war denn das? Unsere Führerin erklärte, dass es ein besonderes Musikinstrument sei. Damit wir das besser verstanden, zog sie eine Rolle Tesafilm aus der Tasche und zwei von uns spannten zwischen sich einen langen Streifen auf. Darüber durften die anderen dann vorsichtig mit dem Finger fahren. Aber auf der klebrigen Seite! Ein seltsames, zitterndes Geräusch war zu hören. Eben echte Büromöbel-Musik!

Zum Schluss schauten wir uns eine 23 Meter lange Stickerei der norwegischen Künstlerin Britta Marakatt-Labba an. Auf dieser erzählt sie die Geschichte ihres Volkes, den Sami. Jäger und wilde Tiere im Wald, von Rentieren gezogene Schlitten, Motorschlitten und eine kleine Kirche aus Holz:  alles gestickt und wunderschön dargestellt. Es sah aus, als würden die winzigen Figuren gleich zum Leben erwachen.

Am Ende können wir sagen: Kunst kann musikalisch, praktisch, faszinierend, politisch, aufwendig und einfach schön sein.